Webtechnik

Captchas - diskriminierender Buchstabensalat

recaptchaAuf vielen Webseiten finden sie mittlerweile ihren Platz und helfen im Kampf gegen Spam. CAPTCHA Systeme können von automatischen Scripts nicht gelesen werden und vermeiden so automatisch ausgefüllte Formulare.
Das können Kontaktformulare, Loginsysteme oder ganz andere Formulare sein. Im Kampf gegen Spam sind sie nicht mehr wegzudenken.
Leider haben diese Systeme ganz entscheidende Nachteile. Darum sollte man sich vor dem Einsatz fragen, ob das CAPTCHA wirklich notwendig ist.



Was ist CAPTCHA?

CAPTCHA ist eine Abkürzung und steht für Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart. Zu deutsch: Vollautomatischer öffentlicher Turing-Test, um Computer und Menschen zu unterscheiden.
Captcha Systeme sollen also testen, ob die Eingaben von einem Menschen oder von einem automatischen Script gemacht wurden. Dieser Test wird durchgeführt, indem dem Benutzer eine Aufgabe gestellt wird. Die Aufgabe kann eine einfache Rechenaufgabe oder die Eingabe von einem Buchstaben- und Zahlencode sein. Dabei ist die Aufgabe an sich in einem Bild oder in einer Audidatei gespeichert.

Die Idee hinter dem System

Die ursprüngliche Idee hinter dem Captcha System ist, dass Automaten, sprich Computer, bisher keine kontrastarmen Bilder auslesen können. Darum sind die Captchabilder oft mit kontrastreichen Linien durchzogen, um den Scripten das erkennen der wirklichen Zeichen zu erschweren.
captcha1So wird der Spam, der über Formulare kommt vermieden, denn spätestens bei der Captcha Codeeingabe scheitern die "Automaten". Spam, der über öffentliche Email Adressen kommt, wird dadurch nicht verhindert.
Doch da auch die Erkennungstechnik immer besser wird, werden viele Captchas immer unleserlicher für den Menschen. Wir stoßen hier also schon auf die ersten Probleme.

Probleme mit dem Captcha

Viel Kritik hagelt auf die Captchas nieder, da sie alles andere als Barrierefrei sind. Sehbehinderte Menschen können die grafischen Captchas nicht lösen, Hörbehinderte die Audiocaptchas nicht und Taubblinde haben überhaupt keine Möglichkeit, die Captchas zu lösen. Diese Menschen nutzen textbasierte Browser und bekommen keine Bilder angezeigt oder Sounds zu hören. Für diese Fälle, bietet es sich an, einfache Fragen zu stellen. Etwa "Wie nennt man ein Mobiltelefon?". Die Antwort wäre hier "Handy". Doch auch hier gibt es wieder gleich mehrere Probleme. Menschen, die der Sprache im Land, in dem sie surfen, nicht mächtig sind, captcha2können diese Frage nicht beantworten. Außerdem müsste der Fragenkatalog immer erweitert und angepasst werden, da Scripts diese Fragen mit den dazu gehörigen Antworten speichern können.
Man müsste quasi den Besucher fragen, welche Sprache er möchte, dann die Captcha Abfrage mit dem Fragenkatalog starten. Dabei müssen nahezu täglich neue Frage-Antwort Kombinationen eingepflegt werden. Ein Aufwand, der keinesfalls verhältnismäßig ist. Außerdem kann es durchaus sein, dass der Mensch, die Frage aufgrund seiner Bildung oder Erfahrung nicht beantworten kann.

Fazit

Wie man also eindrücklich sieht, ist es alles andere als leicht ein wirklich sicheres und gleichzeitig barrierefreies Captcha System zu entwickeln. Ich selbst setze auch visuelle Captchas ein und muss sagen, dass ich damit in einem Gewissenskonflikt stecke. Schließlich möchte ich den ohnehin benachteiligten Menschen nicht noch zusätzlich Steine in den Weg legen.
Was mich, zumindest auf dieser Seite beruhigt, ist die Argumentation: Mein Blog wird von Webdesignern und Webdesigninteressierten gelesen. Diese sind auf keinen Fall blind.
Auf meiner neuen Geschäftswebsite, die übrigens bald online geht, setze ich keine Captchas ein, um wirklich jedem die Nutzung der Seite so angenehm wie möglich zu machen.
Sehr interessant finde ich den Ansatz des Projekts "reCaptcha". Dort werden Worte, die bei der Digitalisierung von Büchern nicht erkannt worden sind, als Captcha verwendet. Wenn der Benutzer sie erkannt hat, gehen Sie an die Datenbank und helfen somit, das Buch zu vervollständigen. Sicher sind die Captchas auch. Wenn selbst die modernste Technik das Wort nicht erkennt, ist es schließlich schwer maschinell leserlich. Ebenso bietet es die audio Alternative zum visuellen Captcha. Es ist also nahezu barrierefrei.

Was haltet ihr von Captchas? Setzt ihr sie ein und wenn ja wo? Ich freue mich auf eure Kommentare!


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Kommentare  

 
# Manuel 06.02.2012 | 09:09
Zitat:
Mein Blog wird von Webdesignern und Webdesigninteressier ten gelesen. Diese sind auf keinen Fall blind.
Das mag soweit stimmen. Ich erinnere mich aber an genug Captchas in der Vergangenheit, speziell einige Verfahren die Rapidshare eine Weile lang nutzte…
Puh ich weiß nicht mehr wie oft ich drei vier Mal falsches eingegeben hatte, bis endlich ein Code generiert worden war den man entziffern konnte.
 
 
# Mario 06.02.2012 | 09:09
zitiere Manuel:
Puh ich weiß nicht mehr wie oft ich drei vier Mal falsches eingegeben hatte, bis endlich ein Code generiert worden war den man entziffern konnte.

Das geht mir oft ähnlich. Ich bin auch wirklich kein Freund von Captchas. Aber meine Erfahrung ist leider, dass gerade Gästebücher und Kommentare ohne Captcha zu Spamfriedhöfen werden. Und die viele Arbeit möchte ich mir dadurch ersparen. Ich hoffe meine Captchas sind gut lesbar ;)
 
 
# Ohrflieger 06.02.2012 | 09:09
Es gibt inzwischen auch alternative Captchas zu den grafischen, zum Beispiel ein Input-Feld, welches nicht ausgefüllt werden darf. Es bekommt z.B. den Namen "url" und wird vom Spambot mit großer Sicherheit ausgefüllt. Aber neben dem Feld steht für den Menschen, dass das Feld leergelassen werden muss.
 
 
# Mario 06.02.2012 | 09:09
Das habe ich noch nicht gesehen. Aber die Idee finde ich wirklich gut. Das werde ich bestimmt mal einsetzen und testen. Danke für den Hinweis!
 
 
# Manuel 06.02.2012 | 09:09
zitiere Ohrflieger:
zum Beispiel ein Input-Feld, welches nicht ausgefüllt werden darf.

Meistens werden sogar diese Felder einfach mittels display:none versteckt. Der Nutzer weiß von dem Feld gar nichts, der Bot füllt es dennoch aus und wird auf diese Weise eindeutig als solcher ertappt.
 
 
# Alex B. 06.02.2012 | 09:09
Hier wird das Prinzip solch eines CAPTCHAs genau erklärt:
openwebboard.org/.../...
 
 
# T. Hinze 06.02.2012 | 09:09
Wie kann man die Aussage, dass der Bot durch das "nicht ausfüllen"-Feld eindeutig identifiziert wird belegen?
Wie arbeiten diese Bots und was würde sie unweigerlich dazu treiben dieses "leer lassen!"-Feld auszufüllen?

Prinzipiell finde ich die Idee toll und würde es gern nutzen. Jedoch muss ich erst Klarheit darüber haben welche Wirksamkeit dieser Honeypot hat.
 
 
# SEOux Indianer 06.02.2012 | 09:09
Aus Nutzerfreundlichkeit verzichte ich auf Captchas. Mathecaptchas sind leicht zu knacken und alle anderen kann niemand lesen.

Ich habe am Tag 40 Spam Kommentare die ich manuell prüfen muss. Das kommt sicher dadurch, dass ich kein Captcha nutze. Inzwischen lasse ich Spam automatisch löschen. Captchas will ich trotzdem nicht nutzen.
 
 
# Alex B. 06.02.2012 | 09:09
Naja, in einem Projekt von mir habe ich eigl. nie über 10 Spam Einträge im Monat. Aus dem Grund bin ich recht überzeugt von dieser Art CAPTCHAs. ;)
 
 
# Ohrflieger 06.02.2012 | 09:09
zitiere T. Hinze:
Wie kann man die Aussage, dass der Bot durch das "nicht ausfüllen"-Feld eindeutig identifiziert wird belegen?
Wie arbeiten diese Bots und was würde sie unweigerlich dazu treiben dieses "leer lassen!"-Feld auszufüllen?


Um Manuels Hinweis noch mit aufzugreifen:

Zum einen wird durch das Verstecken des Feldes ein gewöhnlicher Nutzer davon abgehalten, es auszufüllen.
Für Surfer mit Screenreader wird zu dem Feld ein Text geschrieben, dass das Feld nicht ausgefüllt werden darf (dieser Text wird dann für Otto Normalsurfer ggf. auch per CSS versteckt).

Meist wollen Spambots Werbung für zweifelhafte Websites (blaue Pillen etc.) machen. Das Nicht-Ausfüllen-Feld bekommt im Quelltext den Namen "url". Da der Spambot seine URLs verbreiten will, wird er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dieses Feld ausfüllen und in dieses Feld die URL zu seiner Website schreiben.
 
 
# Mario 06.02.2012 | 09:09
Ich arbeite schon fieberaft an einem Beitrag, der die Problematik, die Funktionsweise von Bots und Lösungsvorschläge thematisiert. Wenn es klappt, geht er noch heute abend online.
 
 
# juanki001 06.02.2012 | 09:09
i like the Bottombox plugin for joomla, but this post was very great, thank you author!
 
 
# T.Hinze 06.02.2012 | 09:09
@Ohrflieger:
Diese Aussage ging aus dem beitrag ja bereits hervor. Manuel hatte mich richtig verstanden, denn es ging mir um den Beleg der Wirksamkeit und nicht darum ob der Bot das Feld ausfüllen müsste/sollte/würde.

Prinzipiell denke ich ist es eine gute Methode um bei weniger bekannten Seiten den Besucher vor den Captchas zu schützen.
Leider hat diese methode einen großen Nachteil: soll speziell *diese* Seite zum Spamversand genutzt werden, so ist man praktisch machtlos. Der Bot weiß dann, dass er das spezielle Feld nicht ausfüllen darf und kann fröhlich drauflos mailen.

Um aktuell rel. sicher hohe Blockraten zu erreichen kommt man wohl um Captchas nicht umhin.

Bitte nicht falsch verstehen: ich mag diesen "Trick" mit dem Leerlassen-Feld, aber das Risiko darf man nicht außer Acht lassen. Erweiterte Mechanismen wie ansteigende Wartezeiten je Formversand, wären ein Mittel (beim Versagen des Schutzes) die Folgen zu mindern.

Gruß
T.Hinze
 

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